Trauerphasen nach
Kübler-Ross/Verena Kast

Elisabeth Kübler-Ross, Therapeutin und Sterbebegleiterin in den USA (verstorben 2005) hat ein Phasenmodell für Menschen in Trauer entwickelt.

1.) Nicht-wahr-haben-wollen

In dieser Phase wird der Tod geleugnet. Betroffene haben das Gefühl zu träumen. Sie sind zeitweilig nicht richtig ansprechbar. (Die Beerdigung erleben sie oft wie einen Film.) Sie wirken wie versteinert und gefühllos. Manche sind geschockt. Manche sind ungeheuer aktiv.

In dieser ersten Phase sind die Trauernden meistens mit der Beerdigung, mit Behördengängen und mit Menschen, die zu Besuch kommen so beschäftigt, dass für Trauer keine Zeit bleibt.

2.) Aufbrechen chaotischer Emotionen

Die Beerdigung ist gewesen. Die Besuche werden weniger. Es kehrt Ruhe ein. Die Welt ist voller Erinnerungen an den Verstorbenen oder an die Verstorbene.
Es kommt ständig Post für den Verstorbenen. Jeder Brief führt zu Tränenausbrüchen. Die Versicherungen machen ständig „Schwierigkeiten“.
Schlafstörungen, krankheitsanfällig, Haushaltsgeräte gehen kaputt.

Trauernde haben das Gefühl, verrückt zu werden. Angstgefühle und Zornausbrüche können sich abwechseln. Trauernde fühlen sich auch von ihren Kindern oder nahen Angehörigen nicht verstanden.

3.) Suchen, Sich-finden und Sich-trennen

Man stellt sich ein Foto des oder der Verstorbenen auf. Fotos werden geordnet. Die Kleidung wird sortiert. Die wichtigen Sachen erhalten besondere Plätze, andere Kleidungssachen werden verschenkt. Der Schmerz ist noch unerträglich, aber es entsteht auch das Gefühl der Dankbarkeit für die gemeinsame Zeit. Der Friedhof wird zu einem positiven Ort der Zwiesprache mit der oder dem Verstorbenen. Es wird ein Grabstein bestellt.

4.) Phase des neuen Selbst- und Weltbezugs

Der Betroffene, der sich in der Trauer von anderen zurückgezogen hat, bewegt sich wieder auf andere Menschen zu.

Jeder neue Trauerfall im Freundeskreis oder in der Verwandtschaft, kann einen Rückfall bedeuten. Todesfälle erinnern an den eigenen Todesfall. Ansonsten ist der Verstorbene weiterhin „im Herzen“ dabei. Es wird weiter über ihn gesprochen. Bei Feiern erinnert man sich an ihn, an die schöne Zeit mit ihm.